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Dr. phil. Sabiene Autsch

Angst zeigen. Angsttopografien in Ausstellung und Kunst

Was motiviert Künstler dazu, Kunst zu machen, die unterschiedliche „Spielformen von Angst“ transportiert? Welche Wirkungen entfaltet Angst als Motiv, als Bild, als begehbare Installation oder Skulptur, dass zudem öffentlich zur Schau gestellt, d.h. ausgestellt wird? Wie geht der Rezipient mit der exponierten Angst in einem Raum um, der dadurch zunehmend in einen „submedialen Angstraum“ transformiert?
    Dieses Teilprojekt widmet sich dem Thema „Angst“ in seinen installativen Ausdrucksformen (hier: Zellen, Käfige, Zimmer, Kammern, Cubes) im Kontext von Ausstellung und Kunst der Gegenwart. Damit sind zwei Gegenstandsbereiche angesprochen, die über den Begriff des Zeigens mit einander in Beziehung gebracht und mit Blick auf die Rhetorik von Zeigegesten und den Raum, in dem Angst artikuliert wird, diskutiert werden sollen. Kunst und Ausstellung sind Mediatoren im Sinne inszenatorischer Vermittlungsarchitekturen, die darin einen physischen und sozialen Raum beanspruchen, wodurch der Betrachter in einer ganz spezifischen Weise disponiert wird. Die ephemere Geste des Zeigens erhält mit Blick auf die dauernde Evidenz der gezeigten Kunstwerke einerseits und den disponierenden Charakter von Ausstellungen andererseits somit eine grundlegende Bedeutung.
    Im Mittelpunkt des kunstgeschichtlich-kuratorischen Interesses steht die Frage nach Prozessen der Visibilisierung und Verräumlichung von Angst. Auf diese Weise treten künstlerische, kuratorische und räumliche Praktiken und Strategien in den Mittelpunkt, wodurch Angst mit jenen inszenatorischen Handlungsstrategien einer Zur-Schau-Stellung parallelisiert werden kann, durch die gestalterische, d.h. artifizielle Schauzusammenhänge begründet werden. Das Teilprojekt wird dabei geleitet von der Grundannahme, dass sich Angst im Raum der Ausstellung weniger aus der Anordnung, sondern vielmehr aus der Praxis des Anordnens, der „Grammatik des Zeigens“, d.h. im Durchkreuzen und Zusammenspiel von unterschiedlichen Interaktionen und Gesten konstituiert, durch die Werk, Rezipient und Raum auf vielfältigste Weise in Beziehung zueinander gebracht werden. übergeordnetes Ziel ist es, eine „Ikonografie der Angst“ über die in Ausstellung und Kunst der Gegenwart eingelagerten Zeigegesten zu entwickeln.