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Tabea Dörfelt-Mathey M.A.

Angst und Kulturkritik. Die Angst vor der Masse und der zeitgenössische Kulturdiskurs

Die Warnungen vor der verderblichen Wirkung populärer Kunst sind in den Kulturdiskursen wohl seit jeher virulent. Mit dem übergang zur industriell geprägten Gesellschaft, mit der spezifisch modernen Veränderung der Produktion und Rezeption von Kunst im 19. und 20. Jahrhundert verschärft sich der Gegensatz der Konzepte von Hoch- und Populärkultur. Kulturkritische Ansätze, die sich unter diesen Bedingungen mit massenwirksamer Kunst beschäftigten und beschäftigen, neigen dabei zu deren kategorischer, oft ideologischer, Abwertung. Nicht selten werden auch heute noch apokalyptische Szenarien von »Bildungsferne« und Konsumfixierung generierenden Kulturerscheinungen entworfen. Es scheint unwidersprochen zu gelten: Je massenkompatibler, desto affirmativer, konsumorientierter und weniger auf Wahrheit oder Erkenntnis gerichtet ­– häufig ohne solche Zuschreibungen über deren Behauptung hinaus zu belegen.
    Zeigt sich hinter dieser Abwehrhaltung von Feuilleton und Wissenschaft möglicherweise angstbesetztes Verhalten? Sind kulturkritische Konzepte nicht generell durch Abgrenzungsverhalten bestimmt, das letztlich aus der Furcht vor dem Verlust gesellschaftlicher Positionen und kultureller Deutungshoheit rührt? Dass prekäre gesellschaftliche Bedingungen, die Angst vor Statusverlust zu Ausgrenzung führt, ist soziologisch belegt. Es soll gefragt werden, ob und gegebenenfalls inwiefern sich der Habitus kultureller Eliten analog definiert und welche angstbesetzten Momente in der diskursiven Abgrenzung von »der Masse« und ihren kulturellen Vorlieben eine Rolle spielen. Daneben soll erschlossen werden, wo in den kulturbezogenen Debatten angstbesetzte Motive virulent werden, wie diese kommuniziert werden, welche Bewertungen kultureller Phänomene daraus resultieren, um letztlich auch die politische Relevanz solchen Verhaltens zu umreißen.